Klimakonferenz 2015 - Rückblick

Heisse Köpfe beim Aushandeln des neuen Klimavertrages

Norbert Bärlocher

Norbert Bärlocher

Kanti Alpenquai Luzern simulierte erstmals mit 300 Schülern eine «Klimakonferenz»
 

An der Kantonsschule Alpenquai Luzern (KSA) fand am Freitag, 27.3.15 im Rahmen eines gross angelegten Projekttages erstmals eine «Klimakonferenz» statt. Mehr als 300 Schüler/innen (4. und 5. Klassen) simulierten einen ganzen Tag lang die Verhandlungen zur Verabschiedung eines neuen Klimavertrages. Sie schlüpften in die Rolle der Vertreter/innen von rund 90Staaten, die in zahlreichen Panel-Konferenzen über Lösungswege zur Bekämpfung der globalen Erwärmung debattierten – ähnlich wie dies in der Realität auch im Dezember 2015 in Paris der Fall sein wird.
 
bbü/pd. «Mit der Klimakonferenz möchte unsere Schule exemplarisch zeigen, wie sie eines der Hauptziele der gymnasialen Bildung, die vertiefte Gesellschaftsreife, auf eine zeitgemässe Art umsetzen kann», betonte der KSA-Rektor Hans Hirschi anlässlich einer Medienorientierung. Von Schülerinnen und Schülern vorbereitete und moderierte Veranstaltungen zu politischen Themen stellten an der Kantonsschule Alpenquai Luzern eine gut eingeführte Unterrichtsmethode dar. Zudem sei die KSA auch für die Thematik des Projekttages besonders sensibilisiert: «Seit Jahren werdenökologische Fragen an der Schule intensiv bearbeitet. Äusserlich sichtbar dafür sind die naturnahe Gestaltung und Bewirtschaftung des Schulareals und die Photovoltaikanlagen auf den Dächern unserer Kantonsschule.»

Prominente Gäste nahmen an der Klimakonferenz teil

Zur «Klimakonferenz» der KSA wurden auch zwei prominente Gäste eingeladen, die den Schüler/innen mit ihren Einstiegsreferaten die grösseren Zusammenhänge des Klimawandels aufzeigten und mit ihren fundierten Hintergrundinformationen auf grosses Interesse stiessen. Der eigentliche «Stargast» war Prof. Thomas Stocker, Co-Vorsitzender der IPCC-Arbeitsgruppe zur Erarbeitung der wissenschaftlichen Grundlagen für den Weltklimarat. In seinen Ausführungen skizzierte er mit eindrücklichen Zahlen den Ernst der Lage, in der sich die Weltgemeinschaft befindet: «Wir haben heute die höchsten CO2-Emissionen derGeschichte – und der menschliche Einfluss auf das Klimasystem ist eindeutig.» Der C02-Gehalt der Atmosphäre sei aktuell rund 30 Prozent höher als je zuvor in den letzten 800'000 Jahren – ein klares Zeichen, dass der Mensch etwas dagegen tun müsse, betonte Stocker: «Um einen Anstieg von mehr als 2 Grad bis ins Jahr 2100 zu verhindern, dürfen wir nicht mehr als 790 Milliarden Tonnen Kohlenstoff verbrauchen – bis 2014 waren es aber bereits 545 Milliarden Tonnen Kohlenstoff.»

«Beeindruckt von den engagierten Verhandlungen»

Auch der zweite Gast an der «Klimakonferenz», Norbert Bärlocher vom Bundesamt für Umwelt, stiess mit seinem Auftritt bei den Schüler/innen mit auf positive Resonanz. In seinem Einstiegsreferat vermittelte er einen guten Einblick in die Situation der Verhandlungsdelegationen einzelner Länder, die an einer Klimakonferenz mitdiskutieren. Den rund 300 anwesendenGymnasiasten gab er zu bedenken: «Regieren heisst vorauszuschauen in die Zukunft. Nur dann gelingt es uns, die zukünftigen Herausforderungen und auch unserenWohlstand zu erhalten.» Es brauche heute dringend eine Änderung in der Politik, um das Problem der globalen Erwärmung in den Griff zu bekommen. Da müsse natürlich auch die Schweiz ihren Beitrag leisten, meinte Bärlocher: «Die Schweiz hat sich zum Ziel gesetzt, ihren CO2-Ausstoss bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 50 Prozent zu verringern.» Er habe gerne an der Klimakonferenz der Kantonsschule Alpenquai teilgenommen, betonte Bärlocher: «Ich war beeindruckt davon, wie gut die Schülerinnen und Schüler im Vorfeld über die Klimaproblematik recherchiert hatten und mit welchem Engagement sie sich in die Verhandlungen der Klimakonferenz einbrachten.»

Anschaulicher Lernprozess mit grossem Realitätsbezug

Martin Bisig, Vorsteher der Fachschaft Geografie,  zeigte sich zufrieden über den Verlauf der Klimakonferenz: «Das war das erste Mal, dass wir in diesem grossen Rahmen eine Klimakonferenz durchgeführt haben. Die Referate der beiden Gäste waren sehranregend und in vielen Panel-Konferenzen wurde von den Schüler/innen auch sehr engagiert debattiert.» Der Umstand, dass die Länderdelegationen im Aushandeln des Klimavertrages am Schluss dann doch keine Einigung erzielen konnten, entspreche der Realität und habe den beteiligten Schüler/innen anschaulich vor Augen geführt, dass auch die kommende Klimakonferenz, die im Dezember 2015 in Paris stattfinden wird, ein anspruchsvolles Unterfangen darstelle.

Interview mit Prof. Thomas Stocker (5'31) (Kopie 1)

Prof. Thomas Stocker, Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe für wissenschaftliche Grundlagen des IPCC, einer der drei Arbeitsgruppen, welche die Berichte des Weltklimarates ausarbeiten.

Das Interview führten Fabian Theiler (5Rc) und Manuel Ursprung (5Ra)