2. Evaluation des BYOD-Pilotprojektes an der KSA (2018)

Seit dem Schuljahr 2016/17 führt die Kantonsschule Alpenquai Luzern das Pilotprojekt «Bring Your Own Device» (BYOD) - im Schuljahr 2016/17 mit drei, seit dem Schuljahr 2017/18 mit sechs vierten Klassen. Das Ziel des Pilotprojektes ist es, Erkenntnisse zu gewinnen – einerseits über einen pädagogisch-didaktisch sinnvollen Einsatz von persönlichen Computern der Schüler/-innen und andererseits über die entsprechende schulseitige Infrastruktur und Organisation - wie das Projekt in einzelnen Klassen umgesetzt werden kann, welche Hindernisse und Probleme auftreten und welche Implikationen sich durch den Einsatz von Laptops und Tablets für den Unterricht ergeben.

Evaluationsdesign

Das BYOD-Projekt wurde im Februar 2018 zum zweiten Mal durch das QSE-Team der Schule evaluiert. An der Online-Befragung nahmen 166 Schüler/-innen (89.7%), 64 Eltern und 33 Lehrpersonen teil. Zwecks Interpretation der quantitativen Einschätzungen fanden im Anschluss an die schriftliche Befragung noch zwei Ratingkonferenzen mit insgesamt 36 Schüler/-innen statt.

Ergebnisse der Evaluation

  • Alle drei Anspruchsgruppen beurteilen das BYOD-Projekt eher positiv: 60% der Lernenden würden es begrüssen, wenn das BYOD-Projekt auf möglichst viele Fächer ausgeweitet würde, 65% der Eltern halten den Einsatz von BYOD-Geräten im Unterricht für sinnvoll, 91% der Lehrpersonen möchten weiterhin mit BYOD-Klassen arbeiten.

  • Die schulseitige Infrastruktur wird sowohl von den Schülerinnen und Schülern als auch von den Lehrpersonen als zweckmässig und funktionstüchtig beurteilt. Die Ergebnisse der Evaluation zeigen, dass auf technischer Ebene keine schwerwiegenden Probleme auftreten, welche nicht innert einer nützlichen Frist (meistens innerhalb derselben Lektion) gelöst werden können.
    Gleichwohl gaben 27% der Schüler/-innen an, durch den Einsatz des Gerätes im Unterricht Zeit zu verlieren - dies vor allem durch die Ablenkung, die technischen Probleme und langsames Synchronisieren.

  • Die Geräte haben sich als alltägliches Arbeitsinstrument etabliert. Die Lernenden und die Lehrpersonen sind in der Lage, ihr Gerät problemlos und ohne zusätzlichen Zeitaufwand in den Standardszenarien einzusetzen. 80 % der Schüler/-innen setzen im Unterricht den digitalen Stift ein und machen auch in den Fächern mit dem Gerät Heftnotizen, in denen häufig Symbole oder Skizzen verwendet werden.

  • Das Programm OneNote eignet sich nach Meinung der Lehrpersonen (96%) und der Lernenden (81%) gut für den Unterricht.
    In der Kollaboration mit den Lernenden trägt dieses Programm zur Intensivierung von kooperativen Lernprozessen bei: Die Schüler/-innen haben einen flexiblen Zugriff auf Lernmaterialien, können ihr eigenes Material austauschen, Informationen zu Unterrichtsinhalten suchen oder von ihren Lehrpersonen individuelle Rückmeldungen erhalten.

  • Inwiefern die von der Schule organisierten Workshops für die Arbeit mit den Geräten behilflich waren, ist fraglich. Eine Herausforderung in diesem Zusammenhang könnte einerseits die Heterogenität der Bedürfnisse und Interessen der Teilnehmenden und andererseits der Zeitpunkt der angebotenen Workshops gewesen sein.

  • Der Aufwand für die Entwicklung neuer Unterrichtsszenarien steht nach Meinung von 87% der Lehrpersonen in einem günstigen Verhältnis zum didaktischen Gewinn. Das Ziel des Projektes - die Schüler/-innen und Lehrpersonen erfahren die Arbeit mit dem Gerät im Unterricht als sinnvoll, und stellen dabei gegenüber der herkömmlichen Arbeitsweise wenig Nachteile und signifikante Vorteile fest - konnte aus der Sicht der Evaluation nur teilweise erreicht werden. Zwar sehen sowohl die Lernenden als auch die Lehrpersonen den Nutzen des Einsatzes digitaler Medien im Unterricht – so zum Beispiel macht die Nutzung von OneNote und anderen Software- und Webangeboten nicht nur den Unterricht abwechslungsreicher (30 %) sondern sorgt auch bei den Lernenden für ein besseres Verständnis von Sachverhalten (15 %) - die Erwartungen der Lernenden und die Wünsche der Lehrpersonen gehen aber offensichtlich noch weiter. Die Evaluation zeigte, dass die Geräte im Unterricht im Moment eher nur Rahmen konventioneller Szenarien (OneNote-Notizhefte, Präsentation, Internetrecherchen...) eingesetzt werden. Nur in einzelnen Fächern werden spezifische Lernsoftwares eingesetzt.
    Um das oben erwähnte Ziel zu erreichen, sind nach Meinung der Lehrpersonen weitere Weiterbildungen und Ressourcen wichtig.

  • Ein viel diskutiertes Thema bei der Nutzung von schülereigenen Geräten ist die Ablenkung durch nicht unterrichtsrelevante Inhalte. Die Zahl der Aussagen von Lernenden, die von häufigen unterrichtsbeeinträchtigenden Ablenkungen berichten, hält sich allerdings in Grenzen. Dies im Unterschied zu den Lehrpersonen, welche denken, dass ihre Schüler/-innen relativ oft der Verlockung der auf ihren Geräten verfügbaren Angebote unterliegen und dem Unterricht nicht mehr folgen. Übereinstimmend deuten die Ergebnisse darauf hin, dass sich die Unaufmerksamkeit der Schüler/-innen im BYOD-Unterricht tendenziell negativ auf das Lernklima (46%), und die Führung des Unterrichtsgespräches auswirkt. Die Ablenkung beeinflusst auch das Lernen zu Hause (42 %) und die Prüfungsvorbereitung (37%) negativ. Als weitere hinderliche Faktoren wurden in diesem Zusammenhang das erschwerte Lesen am Bildschirm, die fehlende Möglichkeit, gleichzeitig verschiedene Dokumente wie z.B. Lernziele, Theorie- und Übungsblatt auf dem Gerät im Blick zu haben und die ergonomischen Probleme genannt.
    Eine Mehrheit der LP (58 %) nimmt bei BYOD-Klassen keinen signifikanten Unterschied in Bezug auf den Lernerfolg und die Nachhaltigkeit wahr.

    72% der Eltern gaben an, dass das BYOD-Projekt bei ihrem Kind nicht zu einem problematischen Medienkonsum geführt hat. Auch im Zusammenhang mit der Lernmotivation stellt eine Mehrheit der Eltern (67%) keine Veränderung fest.

  • Negativ beurteilen die Eltern die hohen Kosten: 92% der Eltern gab an, das Gerät extra für das BYOD-Projekt gekauft zu haben. Für die Hälfte war die Beschaffung des Gerätes für das Familienbudget zu hoch.

FAZIT

Aus Sicht der durchgeführten Evaluation hat sich der Fokus des Projektes im Vergleich zu der ersten Evaluation deutlich von der technischen Implementierung hin zu den didaktischen Herausforderungen des BYOD-Unterrichts verschoben. Viele Projektziele aus dem Projektkonzept konnten gut erreicht werden. In einigen Bereichen gibt es noch Entwicklungspotential.

Bei der Weiterführung des Projektes sollen neue BYOD-Unterrichtskonzepte entwickelt werden, welche die vorteilhaften Auswirkungen des BYOD-Unterrichts weiter fördern und den negativen entgegenwirken. Weiterbildungen, Ressourcen und ein regelmässiger pädagogischer Austausch im Kollegium bleiben wichtig.

März 2018